Protestantischer Zionsfriedhof

Protestantischer Zionsfriedhof 2017-02-20T16:16:10+00:00

Im Jahr 1841 wurde in Jerusalem ein englisch-preußisches Bistum gegründet. Dieses Bündnis bildete die Grundlage dafür, dass sich Protestanten in Jerusalem niederlassen konnten. Samuel Gobat, der zweite protestantische Bischof, erwarb 1848 ein Gelände am Zionsberg für die Bestattung von Angehörigen beider im Bistum verbundenen Kirchen. Als im Jahre 1886 der Bistumsvertrag aufgrund der politischen Rahmenbedingungen gekündigt wurde, beschloss man, den Friedhof weiterhin gemeinsam fortzuführen. Zu diesem Zweck wurde 1906 ein Friedhofskomitee gegründet, das mit Engländern und Deutschen paritätisch besetzt war, und das bis heute die gemeinsame Friedhofsverwaltung innehat. 1917 wurde ein Kriegsgräberfeld für die seit 1916 in der Gegend um Jerusalem gefallenen deutschen und österreichischen Soldaten errichtet. Es wurde als „nicht-konfessionelle Insel auf dem Protestantenfriedhof“ bezeich-net. Nach dem israelischen Unabhängigkeits-krieg und der Staatsgründung (1948-1967) war der Friedhof für die im Ostteil Jerusalems gelegenen Kirchen nicht nutzbar, da er sich unmittelbar westlich der Waffenstillstandslinie zwischen Israel und Jordanien befand.

Der Zionsfriedhof ist bis heute die einzige Begräbnisstätte der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde zu Jerusalem. Aufgrund des ewigen Ruherechts im Nahen Osten verfügt der Friedhof nur noch über wenige freie Grabstellen, die den ansässigen Protestanten vorbehalten bleiben.

Mehr Bilder des Friedhofs finden Sie unter biliongraves  , wo die Bilder der Gräber mit ihrem jeweiligen Standort abrufbar sind.

Gräber interessanter Persönlichkeiten

Bischof Samuel Gobat
Bischof Samuel GobatZweiter Bischof des preußisch-anglikanischen Bistums (Amtszeit von 1846-1879)
Samuel Gobat war gebürtiger Schweizer und Zögling des Basler Missionshauses St. Chrischona. Er wurde von Preußen nach Jerusalem entsandt. Unter seiner Führung erfolgte die Abwendung von der Juden­mission, was in anglikanischen Kreisen teilweise zu erheblichen Spannungen führte. Statt dessen wandte er sich der pädagogischen Arbeit und der Evangelisierung griechisch-orthodoxer Araber zu. Zu Gobats Amtszeit entstanden zahlreiche wichtige diakonische und pädagogische Einrichtungen, wie z.B. das Syrische Waisenhaus und Talitha Kumi. Gobat förderte zudem die Errichtung arabisch-protestantischer Gemeinden außerhalb Jeru­salems, zumeist in Verbindung mit Schulen.

Johann Ludwig Schneller
Johann Ludwig SchnellerGründer des Syrischen Waisenhauses
Johann Ludwig Schneller wurde am 15.1.1820 als Sohn eines mittellosen Webers und Landwirts in Erpfingen auf der Schwäbischen Alb geboren und stammte aus einem stark pietistisch geprägten Elternhaus. 1843 übernahm er zunächst eine Stelle als Hausvater und Seelsorger an der Anstalt für entlassene männliche Strafgefangene in Vaihingen an der Enz. 1854 wurde er nach Jerusalem entsandt und übernahm hier die Leitung des Brüderhauses der Basler Mission. 1860 begann Schneller mit dem Aufbau des Syrischen Waisenhauses. Es entwickelte sich zur bedeutendsten christlichen Erziehungs- und Bildungs­anstalt des Landes, die schließlich zum Wegbereiter diakonischer und missionarischer Aktivitäten im Nahen Osten wurde. Schneller starb am 18. Oktober 1896 in Jerusalem.
Schwester Bertha Harz
Schwester Bertha HarzSchwester der Kaiserswerther Diakonie und Leiterin von Talitha Kumi
Bertha Harz, geboren am 3.12.1890 in Eisenach, trat 1910 ins Diakonissenmutterhaus Kaiserwerth ein. Mit 24 Jahren wurde sie in die Schularbeit nach Beirut entsandt, wo sie 1915 als Diakonisse eingesegnet wurde. Während des Ersten Weltkriegs pflegte Bertha Harz verwundete Soldaten im Negev bei Beersheva. Anschließend wurde sie für sechs Jahre nach Deutschland ausgewiesen. 1926 bis 1940 leitete sie die Mädchenschule Talitha Kumi in Jerusalem, mit der sie 1950 einen Neuanfang in Beit Jala wagte. Hier wirkte sie bis 1962 als Leiterin. Bertha Harz verstarb am 17.10.1982.
William Matthew Flinders Petrie
William Matthew Flinders PetrieVorreiter der modernen Archäologie
William M. Flinders Petrie wurde am 3.6.1853 als Sohn eines Landvermessers und Ingenieurs in London geboren. Sehr früh erwachte sein Interesse an der Archäologie, insbesondere an der Ägyptologie. Ab 1880 grub und forschte er aktiv in Ägypten und war zudem von 1892 bis 1933 Professor für Ägyptologie am University College in London. Von 1927 bis 1938 unter­nahm er auch Ausgrabungen in Palästina. Flinders Petrie entwickelte als erster ein chronologisches System, durch das aus Schichtenabfolgen von alten Keramik­funden die Entwicklung eines Ortes mit seiner Kultur datierbar nachgezeichnet werden konnte. Dieses System hat sich im Prinzip bis heute in der Archäologie gehalten. Flinders Petrie verstarb am 28.7.1942 in Jerusalem. Seinen Kopf vermachte er zu wissenschaftlichen Untersuchungen dem Royal College of Surgeons. Sein Körper ist auf dem Zionsfriedhof beigesetzt.
Conrad Schick
Conrad SchickDeutscher Baumeister in Jerusalem
Conrad Schick wurde am 27.11.1822 in Bitz auf der Schwäbischen Alb geboren. Er war Mitglied der pietistischen Basler Pilgermission auf St. Chrischona. Diese schickte ihn 1846 nach Jerusalem, um dort ein deutsch-evangelisches Brüderhaus zu bauen. Seitdem lebte er in Jerusalem und war für den Bau von zahlreichen öffentlichen Gebäuden und Wasser­leitungen verantwortlich. Berühmt sind seine Modelle der Grabeskirche als auch des Tempelberges, die heute teilweise im Deutschen Evangelischen Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes auf dem Ölberg und im Paulushaus beim Damaskustor ausgestellt sind. Ebenso leitete Schick den Bau des jüdisch-orthodoxen Wohnviertels Mea Shearim und der Internatsschule Talitha Kumi in Jerusalem. Schick starb 1901 in Jerusalem. Juden, Christen und Muslimen trauerten gemeinsam um ihn.
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